Gebet und Stille

Gebet und Stille
Bildrechte: Mike Schenker

DA SEIN IN STILLE

Heutzutage, wo wegen der Pandemie so Vielen das Leben schwer wird, wo  Beklommenheit,  Depression,  Vereinsamung und  Unsicherheit immer mehr zunehmen, braucht der Mensch spirituelle Nahrung ganz besonders. Die Monotonie des Alltags, das Eingesperrt sein, das Unbehagen und die Melancholie heben das Ausgeliefertsein des Menschen und die Qualen der Seele hervor. In solchen Situationen sehnen wir uns nach Erhabenheit, nach Läuterung der Seele und nach der Erfahrung von Gottes Gegenwart.
Das größte Hindernis diese Erfahrung zu machen, ist unser Gespaltet-Sein, unsere zerstreute Aufmerksamkeit. – Gott ist immer und überall gegenwärtig. Aber um das zu erfahren, müssen wir alles loslassen; unsere Gedanken, unsere Ängste, unsere Wünsche. – Wir müssen einfach nur sein. In Ihm sein. Leer sein, damit Er uns erfüllen kann.
Alle Religionen kennen und praktizieren neben Gebeten und Ritualen diese  stille Hinwendung, genannt Meditation oder Kontemplation.

Sören Kierkegaard hat es so formuliert:

„Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen. Zuletzt wurde ich ganz still. Ich wurde, was womöglich  noch ein größerer Gegensatz zum Reden ist, ich wurde ein Hörer. Ich meinte erst, Beten sei Reden. Ich lernte aber, dass Beten nicht bloß Schweigen ist, sondern hören. So ist es: Beten heißt nicht, sich selbst reden hören. Beten heißt still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.“

Wir alle haben zwar die Möglichkeit, an jedem Ort und zu jeder Zeit uns in die Stille zu begeben. Aber die Erfahrung zeigt, dass die Gemeinschaft, gut gewählte Ort und Zeit sehr fördernd sein können um in die Erfahrung des Göttlichen zu gelangen.
In Zeiten der Corona-Pandemie wo die Versammlungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt sind, bietet uns die Evangelische Kirche, im Geiste der Ökumene, unabhängig von Religionszugehörigkeit, jeden Samstag im Anschluss an das Mittagsgebet, in der Grafinger Auferstehungskirche 20 Minuten in der Stille zu sitzen. – Aus dieser Erfahrung könnte dann nach der Pandemie auch eine unabhängige, stille Meditations-Gruppe entstehen.

Dazu sind Sie herzlich eingeladen
Maria Marghescu und Mike Schenker